PCT Tag 132-137: Regen!

In der Nacht auf Samstag regnete es fest. Mein Zelt stand an einem kleinen Abhang und als ich am Morgen aufgewacht bin, floss das Wasser direkt unter meiner Isomatte hindurch. Ich war so schlecht gelaunt, dass ich nicht einmal etwas richtiges gegessen habe und einfach all meine Sachen irgendwie in den Rucksack stopfte und losgelaufen bin! Es regnete ungefähr noch eine weitere Stunde und gegen Mittag zeigte sich dann schliesslich die Sonne. So konnte ich bei einer längeren Mittagspause all meine Sachen trocknen. Den Nachmittag über blieb das Wetter gut und Abends campten wir an einem kleinen See bei Meile 2501 (Km 4025). Nun bin ich also schon mehr als 4000 Kilometer auf dem Pacific Crest Trail gelaufen und habe nur noch weniger als 250 Kilometer bis zur kanadischen Grenze übrig!

Obwohl es in der Nacht nicht regnete und ich all meine Sachen trocken zusammenpacke und loslaufen konnte, war der nächste Tag einer der unangenehmsten auf dem ganzen PCT! Der Trail führte zuerst über einen Pass hinunter in das nächste Tal und die ganze Umgebung war unglaublich schön. Alles war wolkenverhangen und der Wald weiter unten glich mit seinen intensiven Grüntönen einem Regenwald. Mitte Morgen begann es dann aber zu regnen. Das Schlimmste war allerdings nicht der Regen selber, sondern der völlig überwachsene Trail. So streifte ich beim Laufen alle Regentropfen an den teils schulterhohen Büschen ab und war nach kurzer Zeit komplett nass. Dazu kam eine Temperatur von ca. 7-8 Grad, was das ganze nicht gerade angenehmer machte. Wie recht der Typ hatte, der uns von Skykomish zurück zum Stevens Pass fuhr und gesagt hatte, dass das Wetter momentan eher so ist, wie es im späten September sein sollte! Nachdem ich den ganzen Tag nur 10 Minuten fürs Mittagessen gestoppt habe, waren wir am Abend trotzdem wieder 50 Kilometer weiter bei Meile 2532 (Km 4075). Ich stellte nur noch mein Zelt auf, kroch in meinen Schlafsack, packte alle meine Nassen Kleider in den Rucksack, ass etwas zum Nachtessen und versuchte dann, obwohl ich noch gar nicht richtig müde war zu schlafen, um dieser Situation irgendwie zu entkommen!

Am nächsten Morgen hatte es aufgehört zu regnen. Wir waren allerdings ohne Sonne komplett im Nebel und an ein Trocknen unserer Sachen war damit nicht zu denken. So begann das ganze Spiel wieder von vorne. Wir zogen die nassen Kleider an, packten unsere Sache in die Rucksäcke und liefen los. Das Wetter besserte sich mehr und mehr und schon bald sahen wir das erste Mal seit zwei Tagen wieder die Sonne! Um die Mittagszeit konnten wir all unsere Sachen auf einer grossen Brücke trocknen. Der Rest des Tages ging bei gutem Wetter wie im Flug vorbei und so waren wir am Abend bei Meile 2563 (Km 4124) noch 14 Kilometer von Stehekin entfernt.

Da Stehekin von der Aussenwelt nur per Fähre oder Flugzeug zu erreichen ist und es dadurch fast keinen Verkehr im und um das Dorf selber hatte, war unsere einzige Möglichkeit mit einem Bus nach Stehekin zu kommen. Dieser Bus fährt vier Mal am Tag westwärts zur ausserhalb von Stehekin gelegenen Ranger Station und so liefen wir bereits um 5:45 Uhr los um den ersten Bus um 9:15 Uhr zu erwischen. Nach einer einstündigen Bufahrt über eine Schotterstrasse waren wir dann im Dorf, wo wir auf der Poststelle unsere letzten Essenspakete abholten und danach zur Bäckerei gingen um dort ein paar Stunden zu verbringen. Von der Stehekin Pastry Company haben wir auf dem Trail immer wieder gehört und wir wurden nicht enttäuscht! Neben einer unglaublichen Auswahl an Süssigkeiten, verkauften sie am Mittag auch die beste Pizza, die ich auf dem Trail hatte. Ich war froh, dass wir am Nachmittag nur noch 10 Kilometer weiter bis Meile 2577 (Km 4148) liefen, da mein Bauch so voll wie noch selten war und es fast eine Qual war zu laufen ;-).!

Gestern war die Landschaft einmal mehr unglaublich! Nach einem 30 Kilometer langen Aufstieg zum Cutthroat Pass hatten wir einen einzigartigen Ausblick auf die umliegenden Berggipfel der nördlichen Kaskaden. Nach einem Abstieg in den Wald campten wir am Brush Creek bei Meile 2610 (Km 4200).

Heute Donnerstag, dem zweitletzten Tag auf dem PCT, wurde Frank krank! Er hat sich bereits in den letzten Tagen nicht so gut gefühlt, aber als wir heute Mittag am Harts Pass, der letzten Strasse die der PCT in der USA überquert, ankamen, war er so erschöpft und kraftlos, dass er sich entschied über Nacht dort zu bleiben und Morgen zu entscheiden, ob er die letzten 50 Kilometer bis zur Grenze jetzt zurücklegen kann oder für ein paar Tage pausieren muss. So verabschiedeten sich Sarah und ich von Frank. Ich wusste, dass ich in spätestens in Vancouver wieder sehen würde, da wir beide für eine Zeit dort bleiben wollten. Nichtsdestotrotz war ich sehr traurig, ihn so kurz vor dem Ziel zurücklassen zu müssen, da wir seit über 4000 Kilometer zusammen unterwegs waren und so viele Sachen erlebt hatten! Am Abend campten Sarah und ich ein paar Kilometer unterhalb vom Rock Pass bei Meile 2638 (Km 4246). Ich war schon fast mit dem Nachtessen fertig, als plötzlich Frank auftauchte! Er erzählte, dass er am Harts Pass sein Zelt aufgebaut hatte und dann für etwa 30 Minuten darin lag, ehe er sich wieder aufraffte und sich entschied weiterzulaufen. Sein Kopf hatte es ihm einfach nicht zugelassen so kurz vor dem Ziel zu stoppen und ich war froh, dass wir Morgen zusammen zur kanadischen Grenze laufen können!

Ein Kommentar zu „PCT Tag 132-137: Regen!

  1. Hey Jan
    Congrats! Denke du hast Manning Park erreicht und den PCT geschafft. Danke für den blog ich bin den PCT letztes Jahr gelaufen und habe viele Erinnerungen aufgefrischt.
    Grüsse birdman

    Gefällt 1 Person

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