PCT Tag 106- 114: Crater Lake & Three Sisters Wilderness

Die Nacht vom Sonntag auf den Montag konnte ich im Garten des Hauses von Becky und ihrer Familie verbringen. Sie waren unglaublich freundlich und sie hatten besonders Freude an mir, da ich dieses Jahr der erste Thru-Hiker war, der durch die Sierras gegangen ist und bei ihnen übernachtet hat. Da Frank am Sonntag auch in Ashland angekommen ist, haben wir zum Nachtessen abgemacht. Es war sehr cool ihn wieder zu sehen, da wir uns seit Chester nicht mehr begegnet sind und wir uns viel zu erzählen hatten.

Am Montagmorgen hat Becky mir angeboten, mich mit all meinen Essenspaketen zur Post zu fahren, was ich natürlich sehr gerne angenommen habe. Nachdem ich die fünf Pakete aufgegeben habe, bin ich vor dem Mittag per Autostopp wieder zurück zum Trail gefahren. Ich lief bis um 19 Uhr noch 38 Kilometer weit und stoppte dann bei Meile 1741 (Km 2802) an einem kleinen See.

Tags darauf war ich fast die ganze Zeit ohne Aussicht im Wald unterwegs. Erst am späten Nachmittag lief ich durch grosse Steinfelder und ich konnte den einen oder anderen Blick auf den Mount McLoughlin erhaschen. Weil in Oregon viele Quellen und Bäche zu dieser Zeit des Jahres bereits wieder ausgetrocknet sind, achte ich darauf wenn möglich immer am Wasser zu campen, damit ich nicht viel Wasser mit mir herumtragen muss. So habe ich auch an diesem Abend bei Meile 1773 (Km 2854) an einem Bach übernachtet.

Mit den Mücken wurde es am nächsten Tag das erste Mal richtig schlimm! Ich war erneut viel im Wald unterwegs und umso dichter die Vegetation war, umso schlimmer war es. Wenn ich anhielt, dauert es ungefähr 10 Sekunden bis die Mücken mich fanden und sie im Schwarm zu stechen begannen und auch wärend dem laufen versuchten sie immer zuzustechen, so dass ich die ganze Zeit damit beschäftigt war, Mücken von den Armen und Beinen zu wischen . So musste ich Znüni und Zmittag unter dem Moskitonetz essen, da es sonst einfach unerträglich war. Nur am Nachmittag, als ich in einem Waldbrandgebiet auf einem Kamm unterwegs war und der Wind sehr stark war, wurde es kurz besser. Da der letzte Bach 12 Kilometer von meinem Zeltplatz bei Meile 1809 (Km 2911) entfernt war und ich am nächsten Morgen noch einmal 20 Kilometer ohne Wasserquelle laufen musste, trug ich am späten Nachmittag fünf Liter Wasser mit mir.

Am nächsten Tag stand mit dem Crater Lake eines der grossen Highlights entlang des gesamten PCT‘s auf dem Programm. Als ich am Morgen loslief, war ich noch ein bisschen besorgt, ob ich viel zu sehen bekomme, da es neblig und wolkenverhangen war. Die Stimmung war allerdings sehr cool, da ich in einem riesigen Waldbrandgebiet unterwegs war und die kahlen Bäume so noch spezieller aussahen! Im Mazama Village, ein paar Kilometer unterhalb des Crater Lakes habe ich meine Vorräte für die nächsten drei Tage aufgestockt und bin auf Frank getroffen, da er ist nur ein paar Stunden nach mir in Ashland losgelaufen war. Da der PCT nicht entlang des Crater Lakes, sondern unten am Fuss des Berges durchführte, musste ich einen Sidetrail nehmen um zum Crater Lake zu gelangen. Die Alternativroute folgte dem Rim Trail dann für zehn Kilometer entlang des Kraterrandes ehe er wieder über einen Sidetrail fünf Kilometer nach unten zurück zum PCT ging. Die Aussicht vom Rim Trail auf den Crater Lake war wunderschön und es war für mich definitiv der landschaftlich schönste Teil seit den Sierras! Nachdem ich zusammen mit Frank wieder zurück auf dem PCT waren liefen wir noch weitere 15 Kilometer ehe wir bei Meile 1848 (Km 2975) stoppten.

Tags darauf waren wir erneut mehrheitlich im Wald unterwegs und hatten mit vielen Mücken zu kämpfen. Ich konnte tagsüber nur an ein paar Stellen die Aussicht geniessen. Dafür waren wir am Abend an einem coolen Zeltplatz bei Meile 1882 (Km 3029) auf einem Kamm mit Aussicht auf die Seen und bewaldeten Hügeln.

Am nächsten Nachmittag, nach 38 Kilometer laufen, waren wir beim Shelter Cove Resort. Dort konnte ich mein erstes Essenspaket abholen und wir entschieden uns, den Rest des Nachmittages dort zu bleiben und am Abend nur noch zurück auf den Trail zu gehen und ein paar Kilometer bis zum nächsten Zeltplatz bei Meile 1908 (Km 3071) zu laufen. Die Mücken waren auf dem Rückweg zum Trail so schlimm wie noch nie und ich musste den grössten Teil des Weges rennen um ihnen zu entkommen!

Vorgestern haben wir den bisherigen Höhepunkt der Mückenplage erreicht. Wir waren immer im Wald unterwegs und liefen entlang unzähliger Seen und Teiche, die ein Paradies für die Mücken waren. Am Abend war ich komplett von Mückenstichen übersät und ich war froh, dass ich an unserem Zeltplatz bei Meile 1943 (Km 3128) in einem See schwimmen gehen konnte um mich abzukühlen und um den Schmerz der Stiche lindern zu können. Ich würde lieber noch einmal 700 Kilometer im Schnee durch die Sierras laufen und mir die Füsse abfrieren, als erneut ein paar Tage diesen blutsaugenden Monster ausgesetzt zu sein!

Zu meinem Glück besserte sich die Situation mit den Mücken gestern! Wir kamen in die Three Sisters Wilderness, in der es viel weniger Bäume hatte und das Gelände dafür felsiger wurde. Die Three Sisters sind drei markante Vulkane inmittem der sonst eher hügeligen Landschaft. Am Nachmittag liefen wir fast ausschliesslich über scharfkantiges Lavagestein und wir kamen an ein paar sehr aussergewöhnlichen Plätzen vorbei, die ich so noch nie gesehen habe! Abends campten wir erneut an einem kleinen See bei Meile 1980 (Km 3186) und wir konnten das erste Mal seit Tagen ausserhalb unserer Moskitonetze und Zelte essen!

Heute Vormittag liefen wir erneut in einer unglaublichen Landschaft 24 Kilometer bis zum Big Lake. An diesem See findet jedes Jahr ein grosses Sommercamp für Jugendliche statt und sie bieten PCT-Hikern in einem eigenen Gebäude ein Platz zum Duschen, Waschen und um sich zu erholen an. Ausserdem gibt es Frühstück, Mittagessen und Nachtessen umsonst! Frank und ich entschieden uns zum Mittagessen dort zu bleiben und wir wurden nicht enttäuscht. Es gab riesige Burritos und man konnte so viel essen wie man wollte! Danach machten wir uns auf den Weg zum Highway, von dem aus wir nach Sisters gelangten. Auf diesen acht Kilometer, vom Big Lake Youth Camp zum Highway 20, passierten wir die 2000 Meilen Marke! Es ist einfach unglaublich, bereits so weit auf dem Pacific Crest Trail gekommen zu sein und zu sehen, wie weit ich im Moment pro Tag komme! An einem normalen Tag laufe ich zurzeit ungefähr 35 Meilen (ca. 56 Km) und ich habe für die zweiten 1000 Meilen (1600 Km), im Gegensatz zu 74 Tagen für die ersten 1000 Meilen, nur noch 40 Tage gebraucht!

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