PCT Tag 97-105: Goodbye California!

Nach meinen Einkäufen in Mount Shasta bin ich am frühen Freitagabend vor einer Woche per Autostopp wieder auf den Trail zurückgekehrt. Ich lief nur noch zwei Kilometer weit und campte dann bei Meile 1502 (Km 2418).

Am nächsten Tag hatte ich zuerst einen steilen Aufstieg von 750 MüM hinauf auf 2000 MüM zu bewältigen. Der Trail blieb danach auch ungefähr auf dieser Höhe. Auf den letzten Kilometern des Aufstiegs wurde es recht heiss, da ich nicht mehr im Wald unterwegs war. Dafür hatte ich eine sehr schöne Aussicht auf die Castle Crags, eine Felsformation, und auf den Mount Shasta. Übernachtet habe ich an diesem Abend an einem kleinen See namens Porcupine Lake, bei Meile 1531 (Km 2465).

Tags darauf war die Umgebung nicht besonders speziell und der Trail führte in einem grossen Bogen Richtung Westen, was mich auch nicht näher an die Grenze zu Oregon brachte! Ich entschied mich an einem Campingplatz bei einem Highway für das Nachtessen zu stoppen zu und lief danach noch ein paar Kilometer weiter. So war ich dann am Abend bei Meile 1565 (Km 2518).

Am Montag lief ich 56 Kilometer damit ich bereits am Abend in Etna war. An diesem Tag war ich, auch aufgrund von grösseren Waldbrandgebieten, das erste Mal seit längerer Zeit fast nicht im Wald unterwegs. Ich lief entlang langer Hügelketten und ich konnte meistens mehrere Kilometer des Trails sehen. Kurz nach 18 Uhr war ich bei Meile 1600 (Km 2574) an der Strasse die nach Etna ging. Ich hatte Glück, denn ein Trailangel wartete bereits auf jemanden anderes und konnte mich darum auch mitnehmen. In Etna angekommen kaufte ich mir Erdbeeren und einen 1.5 Kg grossen Kübel Schokoladenglace. Danach bin ich in den schönen Stadtpark gegangen, wo ich für fünf Dollar übernachten und duschen konnte. Nach meinem normalen Nachtessen habe ich mich dann an die Glace gemacht und alles aufgegessen ;-).

Der nächste Tag war für mich der 100. Tag auf dem Pacific Crest Trail! Ich habe bis um 7 Uhr geschlafen, danach meine Sachen zusammengepackt und vor dem feinen Morgenessen in einem Cafe, meine Einkäufe erledigt. Ich bin bis zum Mittag im Cafe geblieben und habe mich danach wieder auf den Weg zurück zum Trail gemacht. Obwohl nicht viele Autos auf der Strasse zum Trail fuhren, musste ich nicht sehr lange warten und ich wurde mitgenommen. Zurück auf dem Trail bin ich noch 25 Kilometer gelaufen und habe dann an einem Platz mit schöner Aussicht bei Meile 1615 (Km 2599) übernachtet.

Am nächsten Tag führte der Trail für die ersten 30 Kilometer auf und ab, ehe der lange Abstieg nach Seiad Valley begann. Da es in diesem Gebiet vor ein paar Jahren ein Waldbrand gegeben hat, war der ganze Trail von kleinen Büschen überwuchert und das vorwärtskommen war mit den vielen umgestürzten Bäumen recht schwierig. Manchmal konnte ich den Trail nur einen Schritt weit sehen und ich musste über die umgestürzten Bäume klettern oder darunter durchkriechen. Dafür hatte ich am Abend bei Meile 1645 (Km 2648), erhöht auf einem kleinen Hügel neben einem Fluss, einen coolen Schlafplatz.

Am Donnerstag waren es noch 15 Kilometer bis nach Seiad Valley. Der Trail war weiterhin recht überwachsen und danach musste ich acht Kilometer einer asphaltierten Strasse entlang laufen. In Seiad Valley, einem kleinen Dorf im stolzen State of Jefferson ;-), kaufte ich nur ein paar kleine Sachen ein und machte mich kurz darauf wieder auf den Weg. Von nur noch 400 MüM führte der Trail steil wieder auf ungefähr 2000 MüM hoch. Der Aufstieg war sehr anstrengend und die Sonne brannte fast die ganze Zeit auf mich, doch dank der Aussicht lohnte es sich allemal. Am späten Nachmittag bin ich auf bekannte Gesichter getroffen: Marco und Nadja! Das erste Mal habe ich sie vor mehr als zwei Monaten kurz vor Tehachapi auf dem L.A. Aqueduct getroffen. Danach habe ich sie allerdings nicht mehr gesehen, da sie den Schnee in den Sierras übersprungen haben und nun durch Oregon Richtung Süden zurück nach Kalifornien laufen. Es war sehr cool und unerwartet, sie wieder auf dem Trail anzutreffen, da ich dachte, dass sie weiterhin Richtung Norden laufen würden. Nachdem wir mehr als eine halbe Stunde miteinander geredet haben, bin ich weitergelaufen und habe später bei Meile 1676 (Km 2607) mein Camp aufgestellt.

Nach 3 1/2 Monaten auf dem Pacific Crest Trail und über 2700 Kilometer in Kalifornien habe ich vorgestern kurz nach dem Mittag die Grenze zu Oregon überquert! Es ist ein sehr gutes Gefühl nun endlich in einem anderen Staat zu sein und im Gegensatz zu Kalifornien werde ich in Oregon (730 Km) und danach in Washington (815 Km) nur noch für jeweils zwei bis drei Wochen sein. Ich werde allerdings definitiv wieder nach Kalifornien zurückkehren. Es gibt dort noch so viele schöne und eindrückliche Plätze und die High Sierra möchte ich auch einmal ohne den vielen Schnee sehen ;-). Nach der Grenze bin ich in Oregon noch 22 Kilometer weit gelaufen und habe bei Meile 1705 (Km 2744) übernachtet.

Gestern Morgen bin ich mitten in einem Trailrunning-Rennen aufgewacht! Ich habe am Nachmittag zuvor von einem anderen Hiker erfahren, dass die Route des Rennens sich teilweise auch mit dem PCT überschneidet. Trotzdem war ich überrascht, als nur knapp zwei bis drei Minuten nach dem ich aufgewacht bin, die ersten Läufer des 100 Kilometer Rennens an meinem Camp vorbeiliefen. Ich war ungefähr fünf Meter vom Trail entfernt hinter ein paar Bäumen, so dass mich nur wenige Läufer gesehen habe. Als ich dann um 6:30 losgelaufen bin, musste ich auf den ersten acht Kilometer immer wieder zur Seite gehen um Läufer vorbeizulassen, die mir entgegenkamen! Kurz nach 11 Uhr war ich an der Interstate bei Meile 1717 (Km 2764) von wo aus ich per Autostopp ins ungefähr 15 Minuten entfernte Ashland kam. Nach einem feinen mexikanischen Mittagessen verbrachte ich den Nachmittag in einem Cafe und versuchte herauszufinden, in welche Stadte und Dörfer in Oregon und Washington ich am besten Essenspakete schicken soll. Im Gegensatz zu Kalifornien gibt es in den anderen beiden Staaten nur noch eingeschränkte und viel teurere Möglichkeiten um Essen einzukaufen. Daher ist es nötig, sich selber Pakete entlang des Trails zu schicken.

Da ich erst Morgen Sonntag bei einem Trailangel im Garten übernachten kann, habe ich mich an diesem Abend als es langsam dunkel war in den Stadtpark geschlichen und dort übernachtet. Ich habe von anderen Hikern gehört, dass die Verantwortlichen, obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, ein Auge zudrücken und nichts dagegen haben.

So bin ich heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden, habe meine Sachen zusammengepackt und bin bevor die ersten Leute in den Park gekommen sind, bereits wieder verschwunden! Am Mittag habe ich mich auf den Weg in die Nachbarstadt Medford gemacht, um im dortigen Walmart mein Einkauf zu erledigen. Ich habe mich dazu entschieden fünf Pakete entlang des Trails zu schicken und nur an einem grösseren Ort in Oregon einzukaufen. Zurück in Ashland habe ich das Essen auf die Pakete verteilt und bevor ich Morgen wieder auf den Trail gehe, werde ich diese noch auf der Poststelle vorbeibringen.

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