PCT Tag 91-96: Der erste Bär

Am letzten Sonntag bin ich nach einem gemütlichen Morgen in Chester per Autostopp wieder auf den Trail zurückgekehrt. Frank konnte leider nicht mit uns mitkommen, da er sich neue Schuhe bestellt hatte und die Poststelle in Chester erst am Montagmorgen wieder geöffnet war. Da wir in den nächsten zwei Tagen den Lassen Nationalpark durchquerten, mussten wir eingentlich wieder einen Bärenkanister mittragen. Daher entschieden wir uns, an diesem Abend auf dem einzigen offiziellen Campingplatz im Park bei Meile 1350 (Km 2173) zu übernachten, da es dort Bärenboxen hatte, in denen man sein Essen über die Nacht einschliessen konnte.

Am nächsten Tag führte der Trail für weitere 25 Kilometer durch den Nationalpark. Die Landschaft war jedoch nicht besonders speziell und die meiste Zeit lief ich durch ein Waldbrandgebiet. Am Nachmittag war ich in Old Station, einem kleinen Dorf entlang des PCT‘s. Auf der dortigen Poststelle konnte ich dann endlich mein Moskitonetz und ein aufblasbares Kissen abholen, dass ich mir einige Tage zuvor übers Internet bestellt hatte. Ich war froh über das Netz, da es in der Nacht zuvor mit den vielen Moskitos erneut sehr lästig war. Von Old Station lief ich noch ungefähr drei Stunden bis zu einem Aussichtspunkt bei Meile 1380 (Km 2221) weiter. Da Chelsea von Old Station per Autostopp nach Burney gefahren ist, um ein paar Tage mit einem Freund zu wandern, bis wir sie wieder einholen und Colton an diesem Tag nicht so weit lief, war ich von diesem Abend an alleine unterwegs.

Am Morgen darauf führte der Trail dem Hat Creek Rim, einem Art Plateau, entlang. Die Aussicht war sehr eindrücklich, denn ich konnte von dort aus das letzte Mal den verschneiten Lassen Peak im Süden und zum ersten Mal den ebenfalls schneebedeckten Vulkan Mount Shasta im Norden sehen. Kurz vor dem Mittag sah ich dann meinen ersten Bär! Ich war nicht mehr auf dem Plateau unterwegs, sondern wieder unten im Tal. Ich lief auf einem Damm, zu meiner rechten Seite ein kleiner See und links ein Stück Wald, als ich kleine Wellen im See bemerkte. Da ein grosser Busch meine Sicht auf den See einschränkte, dachte ich zuerst, dass die Wellen von einem kleinen Zufluss kommen. Nur ein paar Sekunden danach rumpelte und krachte es plötzlich und ein ziemlich grosser klatschnasser Schwarzbär kam ungefähr sechs Meter vor mir auf den Damm hinaufgerannt. Er blieb kurz stehen, schaute mich an und verschwand danach im Wald auf der linken Seite des Damms! Um ca. 20 Uhr und nach 63 Kilometer war ich an den Burney Falls bei Meile 1419 (Km 2284). Die Fälle sind zwar ein paar hundert Meter vom Trail entfernt, da sie aber eines der wenigen grossen Highlights hier im Norden von Kalifornen sind, nahm ich den kleinen Umweg gerne in Kauf. Dei Fälle stürzen auf einer Breite von 76 Meter eindrückliche 35 Meter in die Tiefe.

Die Landschaft war am Mittwoch nicht besonders speziell. Ich war die meiste Zeit im Wald unterwegs und hatte nur ein paar Mal eine gute Aussicht. Ich war allerdings froh darüber, da es ungefähr 30 Grad heiss war und ich die meiste Zeit am Schatten laufen konnte. Am Abend war ich auf einem Kamm bei Meile 1451 (Km 2336) mit schöner Aussicht auf beide Seiten.

Gestern war es erneut sehr heiss. Nach einem über fünf Stunden dauernden Abstieg und einem kleinen Aufstieg war ich am Abend an einem schönen Zeltplatz an einem Fluss bei Meile 1485 (Km 2390). Ich nahm im eiskalten Wasser ein Bad um mich zu erfrischen und den Dreck der letzten Tage abzuwaschen. Da es in der Nähe des Wassers viele Mücken hatte, konnte ich mein Moskitonetz das erste Mal testen. Ich kann das Netz an den Heringen meines Footprints einhängen und meine beiden Trekkingstöcke brauche ich dann um das Netz aufzuspannen.

Heute waren es noch 26 Kilometer bis zur Interstate, die nach Mount Shasta führte. Ich war bereits um 11 Uhr dort und kam mit zwei Autostopps in die Stadt. Dort angekommem ging ich zuerst zu KFC fürs Mittagessen und danach in einen Outdoorladen, da ich neue Schuhe, ein T-Shirt und Spitzen für meine Trekkingstöcke brauchte. Es war wirklich höchste Zeit diese Sachen auszuwechseln, denn meine Schuhe hatten grosse Löcher, das T-Shirt begann sich im Bereich der Schultern und des Rückens langsam zu zersetzen und die Spitzen der Trekkingstöcke waren nicht mehr vorhanden! Bei den Schuhen habe ich jetzt eine Nummer grösser und dank der Waage im Sportgeschäft habe ich herausgefunden, dass ich seit dem Start an der mexikanischen Grenze sieben Kilogramm abgenommen habe, was im Vergleich zu meinem Gewicht vor dem Trail schon recht viel ist ;-).

6 Kommentare zu „PCT Tag 91-96: Der erste Bär

  1. 7 kilo abgemagert, ein dikken langen bart, tja da läuft jeder bär gern davon. Super schöne berichten jan. Lese sie immer gern. Du hast sicher auch schon viele schöne bilder gemacht. Weiter so.
    Erstaunlich das sogar die metalspitze vom wandetstöcke erneuert werden müssen. Dieses wird bei jeder schweizer wanderer nie passieren. Warscheinlich wird den stock schneller ausgewechselt weil es nicht mehr eine up to date farbe hat. Dein pa habe ich nach langem auch wieder getroffen, was mich sehr erfreut hat.
    Lauf schön weiter, werde frei, fühle dich gut ( ab und zu auch mal slecht) und bleib gesund.

    Grüsse aus sursee
    Familie Franssen,
    Will

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  2. Hallo Jan, es freut uns jedes Mal deinen Bericht zu lesen, es ist auch Interessant dein Ausdauer zu verfolgen. Pascal, Florian, Janik und Remo sind heute auf eine wöchentliche Töff tour aufgebrochen.
    Wir wünschen Dir weiterhin gute Gesundheit und schöne Erlebnisse und viel Glück auf deiner zweiten Trail, man wird Dich kaum mehr erkennen wenn Du so viel Abgenommen hast, bis später Doris & Sepp Sempacherstrasse

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