PCT Tag 81-90: Die erste Hälfte ist geschafft!

In den letzten acht Tagen bin ich knapp 400 Kilometer durch den Norden Kaliforniens gelaufen. Die Landschaft hat sich mittlerweile vollkommen verändert und ist nun durch dicht bewaldete Hügelketten mit zum Teil bis zu 25 Kilometer langen Auf- und Abstiegen geprägt.

Am Donnerstagmittag vor einer Woche bin ich von South Lake Tahoe per Autostopp wieder zurück auf den Trail gekommen. Da ich noch zur Post musste, waren die anderen drei bereits früher zurück auf dem Trail. Vom Highway aus ging es zuerst hinauf zum Echo Lake und nach ein paar Kilometer wieder zurück in den Schnee. Um ca. 18:30 Uhr war ich 19 Kilometer weiter an einem See bei Meile 1101 (Km 1773) wo ich wieder auf die anderen traf, die dort bereits ihre Zelte aufgestellt hatten.

Am nächsten Morgen war ich der letzte der das Camp verliess. Ich genoss es sehr, nicht mehr zu einer gewissen Zeit bereit sein zu müssen und am Morgen keinen Stress zu haben. In den Sierras mussten die anderen sonst immer auf einem warten, was dann nicht besonders angenehm war. Da wir an diesem Tag zum grössten Teil immer noch im Schnee unterwegs waren, war ich an diesem Abend das erste Mal richtig frustriert! In den Tagen zuvor konnten wir immer wieder kleinere Teilstücke auf schneefreiem Trail laufen und ich wusste, wie viel schneller wir eigentlich vorwärts kommen könnten und ich konnte den Schnee nach mehr als 600 Kilometer einfach nicht mehr sehen. So campten wir dann auf einem windigend Kamm bei Meile 1126 (Km 1813), da keiner von uns Lust hatte in das nächste Tal abzusteigen, wo es überall Schnee hatte.

Tags darauf war es mit dem Schnee wieder ein bisschen besser. Der Trail war nur ungefähr für die halbe Strecke schneebedeckt. Als ich am Nachmittag noch ca. 2 Kilometer vom Donner Pass entfernt war traf ich auf Tom und Katy, ein jüngeres Päärchen das für das Wochenende zum Bouldern und Wandern von San Francisco hierher gefahren ist. Da Tom den PCT letztes Jahr auch gewandert ist, boten Sie mir an, dass sie unten auf dem Parkplatz bei ihrem Auto ein Nachtessen für uns kochen würden. Ich lehnte natürlich nicht ab und so kochten sie mit ihrer Campingausrüstung sehr feine Spaghetti mit Tomatensauce, Gemüse und Würsten. Dazu konnte ich mich einfach an ihren Snacks bedienen und ich ass dazu ein paar Marshmallows und Chips. Nach ungefähr zwei Stunden habe ich mich dann wieder auf den Weg gemacht. Da die anderen drei an diesem Tag nicht so weit laufen wollten, bin ich an diesem Abend das erste Mal seit langem wieder alleine bei Meile 1158 (Km 1863) an einem Zeltplatz gewesen.

Nachdem ich gestern Abend kurz vor meinem Zeltplatz die Interstate 80 unterquert hatte, führte der Weg an diesem Tag über den Castle Pass und die Peter Grubb Hütte mehrheitlich den ganzen Morgen durch den Schnee. Ich musste fünf schneebedeckte Hügel überqueren und als ich auf dem höchsten Punkt des letzten Hügels war, war ich froh, dass es mit dem Schnee nun endlich besser wurde. Ich konnte auf dem Abstieg nach Sierra City nur noch wenig Schnee sehen und ich war zuversichtlich, dass es so bleiben wird, weil wir in den nächsten Tagen nicht mehr so hoch sein würden. An diesem Abend, als ich bei Meile 1187 (Km 1910) gecampt hatte, wurde es das erste Mal richtig schlimm mit den Moskitos. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Moskitonetz hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich komplett im Schlafsack zu verstecken. Dies war jedoch unangenehm, weil es viel zu heiss war und so schlief ich in dieser Nacht sehr schlecht.

Am Montagmorgen musste ich nur noch 13 Kilometer bergabwärts laufen, ehe ich an die Strasse nach Sierra City kam. Das kleine Dorf war zwar nur 3 Kilometer vom Trail entfernt, doch ich hatte Glück und jemand nahm mich mit dem Auto mit. In Sierra City konnte ich duschen, meine Powerbank aufladen und das Paket mit dem Essen für die nächsten Tage abholen, dass ich mir von South Lake Tahoe aus geschickt hatte. Weiter sendete ich von hier aus meine Microspikes, den letzten Teil meiner Schneeausrüstung, nach Hause. Vor dem Mittag kamen dann auch die anderen in Sierra City an und Mitte Nachmittag machten wir uns gemeinsam wieder auf den Weg zurück zum Trail. Von der Strasse aus führte der Weg für die nächsten 15 Kilometer bergauf und wir campten fast am Ende des Aufstieges an einem schönen Platz mit Rundumsicht bei Meile 1202 (Km 1935).

Am nächsten Tag waren wir wieder den ganzen Morgen im Schnee unterwegs. Doch am Nachmittag wurde es besser und wir sind doch noch 48 Kilometer weit bis zu Meile 1232 (Km 1983) gekommen. Wir trafen das erste Mal auf grössere Gruppen von Hikern, die die Sierras übersprungen haben, bis an die Grenze zu Oregon hochgefahren sind und nun versuchen Richtung Süden durch die Sierras zu kommen. Ich bezweifle jedoch, dass diese Personen bessere Konditionen als wir haben werden, da die Schneeschmelze momentan voll im Gange ist und die Flussüberquerungen von Tag zu Tag gefährlicher werden.

Am Mittwoch hatten wir dann, wie Anfangs beschrieben, den ersten grossen Ab- und Aufstieg zu bewältigen. Es ging über 25 Kilometer 2200 Hm hinunter und danach über 15 Kilometer wieder 2000 Hm hinauf. Insgesamt sind wir an diesem Tag 57 Kilometer weit bis zu Meile 1268 (Km 2040) gelaufen und brauchten dafür nicht ganz 12 Stunden. Ich könnte definitv noch ein bis zwei Stunden weiterlaufen, aber im Moment möchte ich meinen Körper langsam an diese längeren Strecken gewöhnen und nichts überstürzen! Der Trail führte, wie bereits in den letzten Tagen, hauptsächlich durch Wälder in denen man keine grosse Aussicht auf die Umgebung hat. Nur zuoberst auf Hügeln oder auf exponierten Kammlinien hat man teilweise eine schöne Aussicht. Da es häufig nicht viel zu sehen gibt, höre ich momentan meistens Musik oder Podcasts um mich abzulenken.

Vorgestern führte der Trail gegen Mittag über einen steilen Abstieg (knapp 1300 Hm in 11 Kilometer) hinab nach Belden auf noch 676 MüM. Die ersten paar Kilometer des Abstieges waren sehr schön, da es fast keine Bäume hatte und ich so einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegenden Hügel hatte. In Belden kaufte ich mir eine Cola und eine Glace und wir blieben nur für ungefähr eine Stunde dort. Danach machten wir uns auf der anderen Talseite an den nächsten Aufstieg über 22 Kilometer. Nach 15 Kilometer, bei Meile 1296 (Km 2085) stoppten wir an einem schönen Platz an einem Fluss und wir verbrachten den Rest des Abends dort zusammen.

Gestern Nachmittag bin ich am Midpoint-Marker vorbeigekommen, der den Mittelpunkt des Pacific Crest Trail bei 1325 Meilen oder 2132,5 Kilometern markiert! Es ist ein sehr gutes Gefühl, zu Wissen, dass ich nun mit jedem weiteren Schritt mehr Kilometer hinter mir als noch vor mir habe! Da ich nun ohne Probleme 50 Kilometer am Tag laufen kann und ich kein vergleichbares Hindernis wie die Sierra Nevada mehr vor mir habe, rechne ich für die zweite Hälfte des Trail noch etwa mit der halben Zeit, die ich für den ersten Teil benötigt habe.

Heute Morgen habe wir versucht so lange wie möglich zu schlafen. Ich konnte jedoch nur bis ungefähr 6:30 Uhr schlafen und da es nur noch fünf Kilometer bis zum Highway nach Chester waren, war ich bereits um 8:00 Uhr dort und kam per Autostopp nach Chester. Am Vormittag erledigte ich all meine Sachen, wusch meine Kleider und ging Einkaufen. Den Nachmittag verbrachte ich in einem gemütlichen Cafe und am Abend gingen wir zusammen einen feinen Burger Essen. Die Nacht werden wir im Garten einer kleiner Kirche verbringen, die Hiker auf einer Wiese schlafen lässt und morgen geht es dann wieder zurück auf den Trail.

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