PCT Tag 57-67: Sieben Pässe in Neun Tagen

Nachdem wir den Montag noch in Bishop verbracht hatten, machten wir uns am Dienstagmorgen mit Essen für 11 Tage wieder auf den Weg zurück auf den Trail.

Zuerst fuhren wir mit dem Bus nach Independence und danach wollten wir per Autostopp zum Onion Valley Trailhead. Dies stellte sich allerdings als recht schwierig heraus, da wir niemanden fanden, der um diese Tageszeit hinauffuhr. Nach ungefähr einer Stunde hielt dann jemand an und bot an, uns für 35$ hinaufzufahren. Da wir keine Lust hatten weiter zu warten bezahlten wir und waren vor dem Mittag zurück am Trailhead. Danach ging es wieder 12 Kilometer über den Kearsarge Pass zurück zur Verzweigung zum PCT, wo wir dann im Schnee auf 3300 MüM übernachteten.

In der Nacht auf den Mittwoch war es so kalt wie noch nie zuvor. Meine Schuhe, die am Vorabend nicht mehr trocknen konnten, waren komplett durchgefroren und es dauerte mehr als fünf Minuten ehe ich in den Schuhen war. Wir liefen um 5:15 Uhr los und waren nach knapp zwei Stunden bereits auf dem Glen Pass auf 3651 MüM. Der Aufstieg war sehr steil, doch die Aussicht war wunderschön. Danach ging es über 12 Kilometer, 1000 Hm und zwei gefrorene Seen bis zu unserem schneefreien Zeltplatz für diese Nacht bei Meile 800 (Km 1287) hinunter. Da wir bereits um 13 Uhr dort waren, konnten wir fast den ganzen Nachmittag in der Sonne schlafen und uns aufwärmen.

Am nächsten Morgen liefen wir, wie in den darauffolgenden Tagen, bereits um 4:30 Uhr los. Der nächste Pass, Pinchot auf 3690 MüM, erreichten wir bereits um 9 Uhr. Danach ging es noch 7 Kilometer nach unten und wir waren kurz nach 12 Uhr bereits wieder im Camp bei Meile 812 (Km 1306) . Der Vorteil wenn wir früh am Morgen loslaufen ist, dass wir die Pässe überqueren können, wenn es noch gefroren ist und wir auf dem Schnee laufen können. Normalerweise wurde es erst gegen 10 Uhr so warm, dass wir durch die Schneedecke zu brechen begannen und wir dadurch langsamer vorwärts kamen.

Am Tag darauf folgte der nächste Pass. Um 7 Uhr waren wir auf dem Mather Pass auf 3686 MüM. Der letzte Aufstieg zum Pass war sehr eisig uns steil, doch die Aussicht vom Pass und beim Abstieg war atemberaubend! Auf ca. 2700 MüM war der Trail dann das erste Mal seit wir Kennedy Meadows verlassen hatten, für eine längere Zeit schneefrei und wir konnten erahnen, wie es in einem normalen Schneejahr in der Sierra Nevada sein muss. So kamen wir sehr gut voran und waren nach dem Mittag bei Meile 828 (Km 1333). Am Nachmittag verbrachten wir dann fast die ganze Zeit im Zelt, da sich das Wetter verschlechterte und es zu regnen begann.

Am Samstag stand dann Muir Pass mit 3644 MüM auf dem Programm. Die ersten paar Kilometer waren recht flach und einfach, aber die letzten 8 Kilometer bis zum höchsten Punkt waren für mich die anstrengendsten auf dem letzten Abschnitt. Es ging die ganze Zeit recht steil hinauf und durch die Sonne wurde der Schnee bereits früh nass und rutschig. Zuoberst auf dem Pass angekommen assen wir vor der Steinhütte, die 1930 erbaut wurde, Mittagessen und machten uns danach durch ein langes flaches Tal auf den Weg nach unten, wo wir dann bei Meile 846 (Km 1361) übernachteten.

Der nächste Tag war der erste in diesem Abschnitt, an dem wir keinen Pass überqueren mussten. Da der Muir Pass vom tiefsten Punkt vor dem Pass, bis zum tiefsten Punkt nach dem Pass mit total 50 Kilometer sehr lang war, ging es an diesem Morgen fast nur nach unten. Gegen 7 Uhr kamen wir an den Evolution Creek, den wir ohne nasse Füsse zu bekommen nicht überqueren konnten. So zogen wir unsere Socken und langen Hosen aus und durchqueren den ca. 20 Meter breiten Bach einen nach dem anderen. Da wir recht früh in der Saison unterwegs sind, kam uns das Wasser nur bis zu den Knien. Aber später im Jahr kann es sein, dass man bis zu den Hüften oder dem Bauch im Wasser ist, was sehr gefährlich sein kann. Nach einem weiteren Abschnitt ohne Schnee auf dem Trail begannen wir erst gegen Mittag mit dem Aufstieg zum nächsten Pass. 5 Kilometer vor dem nächsten Pass, bei Meile 862 (Km 1389) stoppten wir dann für den Rest des Tages.

Am Montag ging es über Selden Pass. Mit 3326 MüM war er weniger hoch als die letzten fünf Pässe und wir überquerten den Pass bereits um 6 Uhr. Fünf Kilometer danach mussten wir den nächsten Fluss, Bear Creek, überqueren. Es war wiederum knietief, aber das Wasser war nicht so kalt wie tags zuvor. Danach führte der Trail ein paar Kilometer dem Fluss entlang, ehe wir nach einem weiteren Hügel und einem steilen Abstieg bereits um 12 Uhr auf 2400 MüM an einem schneefreien Zeltplatz waren, wo wir unsere Sachen wieder einmal richtig trocknen konnten und den Rest des Nachmittages an der Sonne verbrachten.

Am Dienstag stand dann mit Silver (3286 MüM) der letzte Pass in diesem Abschnitt auf dem Programm. Beim Aufstieg bemerkte ich plötzlich Abdrücke im Schnee, die anders als die anderen Aussahen, die wir bisher gesehen haben. Beim näheren hinsehen stellte ich fest, dass es Abdrücke eines Bären waren! Da es in der Nacht nicht so kalt wurde, frierte der Schnee nicht richtig ein und wir mussten bereits vor dem Pass durch nassen Schnee laufen. Dadurch kamen wir nur sehr langsam vorwärts und es dauerte bis 14:30 ehe wir über zwei weitere Hügel und 1500 Hm an unserem Zeltplatz bei Meile 896 (Km 1442) waren.

Vorgestern waren es noch 11 Kilometer, ehe wir den PCT bei Meile 903 (Km 1453) bei der Verzweigung zum Horseshoe Lake verliessen. Danach mussten wir noch neun Kilometer, vier davon auf einer schneebedeckten Strasse, laufen, bis wir zu dem Punkt kamen, an dem die Strasse schneefrei war und wir per Autostopp nach Mammoth Lakes kamen. In Mammoth teilten wir uns für zwei Nächte eine coole Wohnung auf AirBnB. Wir erledigten alle unsere Sachen und Einkäufe und erholten uns, bevor es heute wieder zurück auf den Trail geht.

Der nächste Abschnitt bis zum Sonora Pass wird ähnlich lang sein wie der letzte. Allerdings müssen wir nur noch einen grossen und ein paar kleinere Pässe überqueren, so dass wir schneller vorwärts kommen sollten als zuletzt.

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